Autorin

»Ich schreibe, um hörbar zu machen, in Sprache zu übersetzen, was gemeinhin nicht gesprochen wird, nicht sprechbar scheint.«

– Ulrike Draesner –

Ulrike Draesner, am 20. Januar 1962 in München geboren, lebt gemeinsam mit ihrer Tochter als freie Schriftstellerin in Oxford und Berlin. Sie publizierte in den vergangenen zwanzig Jahren fünf Gedichtbände, fünf Romane, mehrere Erzähl- und Essaybände, Hörspiele, Übersetzungen und beteiligte sich an zahlreichen intermedialen Projekten.

Ihre Kindheit als Tochter einer schlesisch-bayerischen Familie in München war von der gemischten Herkunft ihrer Eltern bestimmt: Katholizismus und Protestantismus, Bürgertum und Bäuerliches, verschiedene Dialekte und Traditionen überkreuzten sich. Im Außenraum spielte die Fluchtgeschichte der Vaterfamilie keine Rolle, es gab keine Sprache dafür.

Der Weg zum Schreiben führte über ein 1981 in München begonnenes Jurastudium. Nach einem Stipendienjahr in Oxford wechselte Ulrike Draesner zu Anglistik, Germanistik und Philosophie.

Nach weiteren Auslandsaufenthalten schloss sie das Studium 1989 ab und promovierte 1992 in Germanistischer Mediävistik mit einer Arbeit zu Intertextualitätstheorien.

Grenzgängerin zwischen den Genres, zwischen Fiktion und Wissenschaft, Okzident und Orient.

1995 erschien ihr erstes Buch gedächtnisschleifen, ein Gedichtband. Ihm folgten seither in stetem Wechsel Romane, Erzählbände, Essays und Poesie. In jüngerer Zeit hat Draesner sich vermehrt dem Schreiben von Natur (Nature Writing) und Orten zugewandt (Mein Hiddensee, 2015, London–Lieblingsorte, 2016) sowie ein Libretto für ein Musiktheater von Annette Schlünz verfasst.

Ihr Werk wurde vielfach ausgezeichnet und übersetzt.

Ulrike Draesner selbst übersetzt aus dem Englischen und Französischen, gibt Schreibworkshops und hält Vorlesungen. Sie war Gast- bzw. Poetikdozentin u.a. in Kiel, Birmingham, Bamberg, Wiesbaden, Hildesheim, am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig und am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel. Im Wintersemester 2016/2017 hält sie die Frankfurter Poetikvorlesungen.

In Lyrik und Prosa erprobt Draesner Schreibverfahren und setzt sich mit aktuellen Gesellschafts- und Wissensdiskursen wie Neurowissenschaften, Transplantations- und Reproduktionsmedizin sowie Geschlechtertheorie auseinander.

Ihre Texte nehmen sowohl die medialen Entwicklungen als auch die geschichtlichen Dimensionen Europas in den Blick. Literatur ist für sie ein hervorragendes Mittel, um Welt und Gesellschaft zu erkunden.

Mit einem tiefen erzählerischen Humor spürt sie dem modernen Subjekt in seinen Beziehungen, geheimen Sehnsüchten, Abgründen und verschwiegenen Traumata nach.

Wie sind Sprache und Denken verbunden?

Welches Wissen gibt es ohne oder außerhalb von Sprache? Und wie lässt sich eben dieses Wissen in literarische Werke „übersetzen“, also eben doch in Sprache fassen, so dass unsere Welt als Möglichkeitsraum wächst – und wir mit ihm.

Ulrike Draesner betreibt Forschung zu Menschen und anderen Lebewesen – durch Sprache und Erfindungen in Sprache. Ihr Interesse gilt allen Aspekten des Life Writings, von den Metaphernbildungen der Genetik bis zu neuen Formen biographischen und autobiographischen Schreibens. Immer wieder staunt sie darüber, wie Menschen sich verhalten, und bewundert, wie einfallsreich die sogenannte Wirklichkeit ist.

Ihre verwobenen Geschichten voller historischer, literarischer und kultureller Anspielungen sind intelligent und überraschend, ernst, berührend und voller Komik.

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Leaping from the edge of the world

Seit Herbst 2015 lebt Ulrike Draesner als „poet in residence“ in Oxford, wo sie nun auch begonnen hat, auf Englisch literarisch zu schreiben. Im April 2016 organisierten Karen Leeder und Lyn Marven vom Oxford Research Centre in the Humanities ein Internationales Symposium zum Werk von Ulrike Draesner. Der Film von Alex Llyod zeigt Ausschnitte des Symposiums und lässt Vortragende, Übersetzer, Studenten und die Autorin selbst zu Wort kommen.

Auszeichnungen
2016

Nicolas-Born-Preis des Landes Niedersachsen

Lyrikpreis Orphil für das lyrische Werk, insbesondere subsong

 

2015

Usedomer Literaturpreis für Sieben Sprünge vom Rand der Welt

 

2014

Joachim-Ringelnatz-Preis für Lyrik

Longlist beim Deutschen Buchpreis mit dem Roman Sieben Sprünge vom Rand der Welt

2013

Roswitha-Preis der Stadt Bad Gandersheim

 

2010

Solothurner Literaturpreis

 

2006

Droste-Preis der Stadt Meersburg

Poetikprofessur an der Universität Bamberg

 

2005

Longlist beim Deutschen Buchpreis mit dem Roman Spiele

2002

Preis der Literaturhäuser

 

2001

Friedrich-Hölderlin-Förderpreis

 

1997

Bayerischer Staatsförderpreis für Literatur

Foglio-Preis für junge Literatur

 

1995

Förderpreis zum Leonce-und-Lena-Preis