
Zwei Reisen in die Arktis
Mare Verlag
Sie will Zeugnis ablegen von arktischer Schönheit und Zerbrechlichkeit, ist auf der Suche nach unserer Verbundenheit mit diesem gefährdeten Lebensraum, nach größeren Zusammenhängen. Dafür unternimmt die Autorin zwei Reisen mit kleinen Schiffen, im Sommer nach Spitzbergen, im Winter von Tromsø aus durch nordnorwegische Fjorde. Sie findet eine Welt voll verborgenem Leben, in der mensch klein wird. Polartag und -nacht öffnen besondere Resonanzräume, und in der äußeren Stille wird Überhörtes hörbar: Lebewesen, Elemente, Atmosphären, die die mit geschärften Sinnen Reisende überraschend unmittelbar berühren und durchdringen, körperlich, psychisch und geistig. Ulrike Draesner erzählt in ganz neuer, naturdurchlässiger Sprache in zwei Essays davon, wie die Arktis uns angeht und Antwort darauf geben kann, was wir sind.«
»Ich bin ver/ rückt , alles schaukelt schürft knarzt, ich
gebe meine gesamten Ersparnisse aus, verzichte auf
Komfort, Fisch statt Cappuccino, was hast du denn
gedacht, Handy sinnlos, Bluetooth-Kopfhörer sinnlos,
Empfang: null, zero, nada, Schluss. Man kann sich eine
E-Mail-Verbindung kaufen, ich verzichte. Arktische
Stille? Nicht so einfach wie gedacht.
Alles hier hat eine andere Bedeutung.
Kein Sonnenuntergang, kein Sonnenaufgang,
nichts als dieses minimale Sonnenschwanken, diese
Zitterbewegung am Lichthimmel, dieses irritierende
Hängen, diese Endlosigkeit. Ein Lachen des Lichts.
In Ny Ålesund werfe ich eine Karte in einen roten
Kasten. Nördlichstes Postamt der Welt. Brandgänse stol-
zieren in den Wiesen. Hinter dem Ankermast, von
dem die Polarforscher Amundsen und Nobile im Mai
1926 im Heißluftballon zum Nordpol starteten, endet
die Welt – keineswegs. Hier ändert sie sich.
Zeichenlos bleiben und nur »denken« an jemanden
oder etwas. Die Welt, das, was wir gemeinhin so nen-
nen, wird ersetzt durch etwas, das anfangs wirkt wie
ein Bild: Wind, Sonne, glitzerndes Eis. Ist das Wirk-
lichkeit?«
»Lust auf ein Abenteuer? Geografisch, intellektuell, sprachlich? Dann ist dies hier genau das richtige Buch. Selten macht Lesen so wach, und selten halten schlanke 112 Seiten so lange vor wie diese.«