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Tagebuch 2000

7. Juli 2000

Las Kleist, Das Erdbeben von Chili, zum einen, weil es dazu einen Sammelband mit verschiedenen Theorieansätzen gibt und mir das bei der Vorbereitung für das Lehrerseminar in Achatswies hilft, zum anderen weil Kleist großartig schreibt. Kraftvoll, zupackend, konzis. Voller action, wenn man so möchte, aber immer mehrgründig. Das Erdbeben scheint um alles Mögliche zu gehen, Sex, Religion, Gnade, Schicksal, Paradies (unter den Granatäpfelbäumen), Staatstheorien, Verbrechen, Masse und Mob. Ich denke aber, dass die heimliche Hauptfigur das Kind der beiden Js ist und das Ganze eine Zeugungsphantasie für einen Mann: wie er zu einem Kind kommt ohne Frau, und zugleich, infamer Kleist, durch eine gescheiterte Heldentat. Das natürlich gezeugte Kind wird verloren, das "fremde" gewonnen. Überzeugend, wie wenig Platz Kleist dafür braucht, wie Wiederholungen zueinanderstehen, zum Beispiel im letzten Abschnitt des Textes, wie Kommata, ein 'wohl' oder 'wenn/falls' eingesetzt werden. Prosa besteht aus dem Kneten der Syntax, ihren Tempi und Folgen. Als bräuchten die Figuren den Platz im Satz, um selbst plastisch zu werden. Andersherum gesagt: was bedeuten Stakkatosätze, was bedeutet modern speak, etwa à la Streeruwitz. Anders gesagt: wie sieht die Schwingungsweite des Deutschen aus und wie verändert sie sich?
21.58-22.12

8. Juli 2000

Denke nach über Mitgift: es gibt viel "Material", die Figuren sind da. Aber wie baue ich den Text auf? Er hatte ein Thema, den Konflikt zwischen den beiden Schwestern, aber bei meinem langen Schreibwegen, bei meinem Anfangsschreiben bewußt ohne Konzept im Vertrauen und Abenteuer darauf, was kommt, hat sich der Text seit seinem Beginn vor mehr als drei Jahren so gedreht. Und das Thema, das sich herausgewühlt hat? Suche es, muß noch einmal anfangen. Brauche dazu aber den Magneten, oder den Südpol dieses Textes, um alle Teilchen darauf ausrichten zu können. Einen Südpol ja, und heiß stelle ich ihn mir außerdem vor - es ist immer zu heiß für die Figuren von Mitgift. Love parade, langweilig, das Wetter trüb, unterm Brandenburger Tor wuselten die Federboa-Nackten, diese Jahr die Boas um die Füße hoch zu den Knien, am besten knallgrün, ansonsten BVG-Uniformen. Orange und zerschnitten, orange und unzerschnitten, wie sagte Wolfgang Pauser bereits vor Jahren: die love parade ist Fernsehen, nur umgekehrt, du gehst raus und dann ziehen die Wägen an dir vorbei, und das schöne ist, dass es Fernsehen ist. Je nackter die Leute, umso angezogener sehen sie aus, das ist natürlich Kalkül, die Tattoos gehören exakt dazu. Abends dann mit dem Fahrrad durch die windige Stadt zurückgefahren, durch die kühle, die graue, die zuckende, die bunte, die lautleise Stadt, über den knirschenden Müll
23.14-23.21

9. Juli 2000

Nur ein paar Stunden geschlafen, Schreibanspannung, nachmittags plötzlich Sonne, diffuses Essen, verwickelt umwickelt sein mit Gedanken im/aus dem Text, kürzen, beschleunigen, die Klugheit der Figuren erkennen, ihren Pepp, ihre Bewegung, Pläne, Wünsche, Durchkreuzungen - und wie sich das aufbaut, um jeden von ihnen herum; wie es zusammenkommt, sie sich kreuzen, steigern, verhindern.
21.20-21.23

10. Juli 2000

Mit dem ICE morgens nach München, Horst Konietzny, der das SMS-Projekt entworfen hat, holte mich am Zug ab. Wir liefen in der Bahnhofsgegend herum, es regnete, landeten schließlich in einem Café. Sprachen über die Umsetzung von Sprache, auch Literatur, in den öffentlichen Raum, über ungewöhnliche Formen der Inszenierung, natürlich auch über die Erfahrung, jeden Tag über zwei Wochen hinweg eine bestimmte Stunde lang SMS von unbekannten Leuten zu bekommen und beantworten zu müssen. Hatte Horst sich da selbst auch manchmal eingeschmuggelt? - na klar: interessant sind immer die Nebenmöglichkeiten, die verdeckten Identitäten - und die "neuen Techniken" scheinen alle auf die gleichen Ideen zu bringen in dieser Hinsicht. Denke über einen Essay nach zur mail als Mischform zwischen Brief und Telefon (schneller und privater als der Brief, ohne menschliche Zwischenstationen, kommen in der privaten Maschine, im Computer, in der Extension des eigenen Kopfraumes an). Im Vergleich zum Telefon hingegen sind sie abstrakter, die Stimme fehlt, sie kann einen also auch nicht verraten, keine Gleichzeitigkeit, größerer Schutz. Die Mail läßt mehr Freiraum, anonymer, unverbindlicher; gerade deswegen kommt man darin so schnell zu Doppelklängen in der Sprache, zu einer unglaublichen Aufladung der Wörter allemal, oft zum Sex. Es ist ja, als lange der andere mit seinem (Buchstaben)Finger mich da aus meinem Raum heraus direkt an. Dass er fremd ist, dass er (scheinbar) keine Spur hinterlässt - besonderer Reiz. Mit Silvia Bauer im Stadtcafé gleich weiterdiskutiert. Sie kam in einer Art grauem Trainingsanzug, hellgrüngelbe, diffus leuchtende, schlangig bedruckte supermoderne Stiefel lugten unter der Hose hervor, Goldstaub auf den Lidern, der auf die Wangen gefallen war, da auch hinsollte, Grenzen verwischte. Als ich schließlich nach Planegg kam, schliefen alle bereits, das Haus ist ganz von Blauregen umwachsen, er faßt überall hin.
23.17-23.24

11. Juli 2000

Regnete die ganze Nacht hindurch, ich wachte oft auf, denn Alexander schlief bei mir im Zimmer, was für ein Krach. Er drehte sich dauernd im Bett, gerade so als müsse jedes Kind nachts der Minutenzeiger einer geheimen Uhr sein. Einmal wachte er sogar schreiend auf, heiß und verweint; morgens gegen 6 fing er an zu sprechen, irgendetwas mit ein Baby bekommen, wo regnet es bloß diese kleinen Menschen her?, was treibt so einen Vierjährigen um? was weiß er, was ich lange schon vergessen habe was wichtig ist? Beim Gang durch München das übliche Berlinstaunen: wie niedrig die Häuser sind, wie nah alles zusammenliegt, wie sehr die Straßen und Häuser die Bewegungen vorgeben, die einem in den Sinn kommen oder für groß gehalten werden. Traf mich mit Sophie Zeitz und Ulrike Ostermeyer von dtv, die dort die west-östliche Diven-Anthologie herausgeben. Gefiel mir, weil der Titel so ironisch ist, saß danach im Café an der Münchner Freiheit, las in Hilbigs Provisorium, ein schöner Sturz am Anfang, im Duktus sehr reflexiv, erstaunlich, wie er damit/dennoch die Spannung hält. Im Hinterkopf Mitgift, was ich damit tun werde: Schichten einziehen, Böden, Farben, Stürme, Kommentare, das Seil spannen und zugleich die Figuren und ihre Bewegungen darum schwingen lassen. Aß Kirschkuchen, trank grünen Tee, es gab sogar etwas Sonne, war aber kalt, am Nebentisch eine Frau, älter, russischer Akzent, die einen Mann küßte, älter, danach lachte, und er sagte: dass du dann immer lachen mußt! Überall klingelten Handys, viel bayrisch rundum, viele überflüssige Läden und rausgestorbene Menschen
23.42-23.47

12. Juli 2000

Achatswies/Lehrerseminar, alle ganz freundlich, aber welch schiebende Arbeit, die Leute zum Hören zu bringen. Die Berge rundum, die Kühe, die sich kauend über die Wiesen schieben.Fremdheiten, Reden, Zeigen auf Fernes, Jugendherbergsstimmung, Kälte Mitte Juli: Kinders, geht die Wollsachen suchen! Sprach mit Christiana über Mitgift, sie kennt 20 Seiten vom alten Anfang, sie meinte, die Phantasie des Lesers werde nicht angeregt, der Text sei unterkomplex. Mir ist unklar, wie ich weitermachen soll/kann, bedrückt deswegen. Am Abend noch Lesung in München, Lyrikkabinett im Literaturhaus, Matthias Politycki, Dagmar Leupold, Fritz Ani und Ostermeier natürlich, wie immer in München. Kam gut, ich las neue Gedichte, im Frühjahr sollen sie nun bei Luchterhand erscheinen; fühlte mich wohl. Auf der "Piazza" hinter dem Literaturhaus hing von einem langem Baggerkran ein knallgrüner großer Plastikreifen mit etwa 30 Sitzen, eine sich langsam drehende Schaukel - da sitzt man im Kreis, wäre ideal, mal in so etwas zu lesen, zu sprechen, um einen runden unsichtbaren Tisch.
0.14-0.21

13. Juli 2000

Rückfahrt nach Berlin, schlief im Zug erst einmal drei Stunden, es war sehr leer, die Landschaft sehr naß, zwischen Braunschweig und Spandau standen wir eine halbe Stunde, ein Vogel hatte einen Kurzschluß verursacht, das Wasser in der Toilette roch rostig nach Strom, war Strom, war Vogel, stand und floß, lackierte die Hände, und was war die Zeit? Standen in einem halben Juli, die Pflanzen, die Wolken, las Hilbig zuende: Taumeln Torkeln (und Korkeln) zwischen dem einen und anderen Staat, Zustand und der einen oder anderen Frau. Ankommen, Brot abgreifen am Zoo, Geschiebe, alle Züge der BVG irgendwie in Umbau, Stapel Post und noch mehr mails, auspacken und dann die übliche Leere nach Veranstaltungen, Absinken der Spannung und plötzlich das innere Programm umstellen: es gibt eine nächste Woche und sie steht schon da, Namen eintragen, Adressen sammeln, koordinieren, nachdenken, Hunger haben, mal wieder was aus der Gefriertruhe auftauen, dazu Tori Amos hören, die Bauchmuskeln spielen lassen, die Gedanken suchen, den eigenen Körper. ilbig: warum man seine Herztentakel eigentlich so schwer nur von jemandem (manchmal auch etwas) abziehen kann. Ist auf etwas oder jemanden Zielen immer nur in einem Umweg möglich?, oder ist es, dass man von Liebe so blöde wird und nackt dasteht mit dem Hundeblick und dem Zerfallen allen Widerstandes und der Körper läuft über über, ist es das, was den anderen verjagt abstößt, diese Anhänglichkeit Selbstaufgabebereitschaft Unbedingtheit, na, falsch gefragt, ist es diese Simulation Stimulation dieses Theater im Selbst und meine merkwürdige Erinnerung, wie ich als kleines Kind sehr kleines Kind im Wohnzimmer in Berg am Laim über den Boden lief und noch jetzt in meinem Körper die Bewegung DIESES Laufens spüre und damals dachte: das bin (jetzt) (also) ich - und alles davor und danach im Dunkel versinkt.
21.31-21.47

14. Juli 2000

Frühstücken im Sowohlalsauch 1 Croissant mit Johannisbeermarmelade 1 kurzer Regen 1 Einkaufen gehen im Kaufhof Druckerpatronen 148,90 DM 1 mal die Kreditkarte zücken 1mal auf die Straßenbahn warten 1mal Pakete abholen 1 auspacken 1mal Mails ansehen schreiben Post öffnen umschlagen lesen 1 mal neueste Nachrichten von der Genetik"front" 1mal Denken 1mal die beiden Gedichte fürs Divenbuch abschicken 1 abfallendes Blatt 1 vertrocknender Baum was für 1 Juli 1 Dunkelheit um 21.00 1 allein in Wohnung und so viele 1sen in diesem Text dass er also absolut fälschungssicher - gefälschte Texte, hat man herausgefunden, vor allem gefälschte Steuermeldungen, kann man dadurch erkennen, dass man die Zahlenverteilung prüft, weil unsinnigerweise, nämlich auch für Mathematiker völlig unerklärlicherweise, bei ungefälschten Zahlenreihen die 1 am häufigsten am Anfang vorkommt und die 9 am seltensten, auf der sicheren Seite also, wer viele 1sen oder 2er an den Anfang seiner Fälschungen stellt, ja, sehen Sie sich die Daten dieser Tagebucheinträge nur an - 1mal Beate anrufen 1mal Alexander stumm am Telefon 1 wilde Rechtschreibung in den mails von kids 1 zuviel essen 1 müde Knochen 1 auspacken oder hatten wir das schon 1 Termine denken und vergessen 1 Foto scannen 1 sehen und 1mal leben
22.57-21.03

15. Juli 2000

Lyriknacht auf dem Potsdamer Platz, der alles schluckte, zuviel Beton, und auch hier: die Letzten (Zuschauer und Dichter) bissen die Hunde. Saukalt noch dazu, Matthias lief in Mantel und Schal herum, wollte den Klitschko-Kampf sehen, irgendwann gegen 23.00, also sausten wir hin und her, da eine Bar, dort die Lesebox. Klitschko gegen x ging mittelschnell, natürlich Klitschko-Sieg durch k.o. - so schnell schau ich gar nicht, wie das passiert - ein blutig geschlagenes Gesicht Auge tropfendes Blut auf der Matte, während Rühm las, fast rührend mit seinen Synchrongedichten, Urformen des Rap, Harmlosigkeiten, der Geruch davon. Die anderen perfekte Performer, darauf kommt es an in der World Poetry League. Ben Okri aber schoß den Vogel ab, was für ein Predigen, Psalmodieren und die Massen in Berlin bekehren, aufstehen sollten wir, stürmen, jubeln, für ihn. Natürlich überzog er auch seine Zeit, stand da im Seidenschal, sah hübsch aus und las aber auch kein einziges Gedicht. Einen Tag davor gab es auch noch, lang geschlafen bis 12, dann an Mitgift weitergearbeitet, umgestellt, neues Plot, Sätze transformieren.
03.28-03.36

16. Juli 2000

dass es mir endlich klar geworden ist, Anitas Körper, dass ich gar nicht mehr weiß, wie es eigentlich kam, aber jetzt ist es da: dass sie als Hermaphrodit auf die Welt kam, also zumindest mit einer Geschlechtsuneindeutigkeit, dass ich also heute am Computer saß und versuchte, einen Artikel dazu zu finden, den ich vor Jahren las, dass ich stundenlang surfte auf der Suche nach Hermaphroditen, Intersex, Androgynen, dass ich von einer Frau geträumt hatte, die zwei verschiedene Augen hatte, eine strahlend gelbe und eine orange Iris, dass mir aufgeht, wie die einzelnen Romanteile über das Thema Sexualität zusammenhängen, dass die auf dem Bildschirm zu sehenden Hermaphroditen ein merkwürdiges Gefühl hinterlassen in meinem Körper: dass ich sie anziehend finde, manche sehr attraktiv, aufgeladen mit Eros oder zumindest Sexualität, dass mir nach einer halben Stunde aber wirklich davon schwindelte, ich mich verwirrt fühlte, weil etwas so "Selbstverständliches" wie die Geschlechterteilung massiv in Frage gestellt wird, dass es diese flackernden schwierigen Kontakte gibt, eine innere Verbindung zwischen Anita und ihrer Schwester in Mitgift, die manchmal erlischt, dass ich experimentiere, taste, dass ich am Ende eine sehr schöne Frau auf einer Pornoseite fand: in Maya-Haltung lag sie auf einem mit einem grobem Tuch überworfenen Sofa, sie trug ein schwarzes, ärmelloses T-Shirt, eine Hand stützte den Kopf, kurze Haare, die vorn wuschelig nach oben standen, die Haut des feinen Gesichtes schimmerte in dem von schräg vorn einfallenden Licht, daß sie lächelte, entspannt wirkte, natürlich und absolut weiblich, dass sie keinen Slip trug, die Beine geschlossen hatte, ihr Penis halberigiert auf ihrem unteren Oberschenkel lag, die Spitze hell aus den dunklen Schamhaaren hervorsah, dass sie schön war, souverän.
22.29-22.37

17. Juli 2000

Arbeitstag Regentag schwüler Tag, mit Michael Donhauser im Café, nicht richtig bei der Sache, Regentag Fahrradtag Arbeitstag an Mitgift: Umbau, eine Baustelle, sagte ich zu Michael - und wie wird das Haus? Noch offen, es biegt sich hierhin, dorthin. Anruf von Bertelsmannstiftung, sie planen ein Genetiksymposion im Herbst, baten um ein Exposé, also dachte ich über Genetik und Literatur nach. Das Gen als Metapher, oder auch die Metapher als Gen eines Textes? Der alte Traum: was man aus Schrift macht, wird lebendig. Aber was kann/wird das heißen? Und was bedeutet es für die Fiktionalität der Literatur: wird es eines Tages ihr großes Privileg sein, nur "fiktiv" zu sein, also etwas schreiben zu können, was eben nicht in Fleisch und Blut lebendig werden muß? Hendrik getroffen im Malzcafé neben der Kulturbrauerei, Hunde mit Maulkörben jetzt, und im Café versteckte Kameras, die Bilder des Restaurants in die Toiletten übertragen, während man in den Spiegel schaut und sich schminkt. Entdeckte es erst heute. Es ist merkwürdig, weil es etwas illustriert, was man doch weiß: dass der Raum dort oben weitergeht, während man hier unten ist. Da kann man dann den eigenen leeren Platz anschauen (das ist die philosophische Seite) oder ob er eine anbaggert, während man weg ist (die praktische Seite)
21.04-21.09

18. Juli 2000

nichts nichts nichts arbeit einen kuchen backen regen nichts
nichts nichts nichts nichts nichts nichts nichts nichts nichts
nichts nichts nichts nichts nichts nichts nichts nichts nichts
nichts nichts nichts nichts nichts nichts nichts nichts nichts
nichts nichts nichts nichts nichts nichts nichts nichts nichts
nichts nichts nichts nichts nichts nichts nichts nichts nichts
nichts nichts nichts nichts nichts nichts
nichts nichts nichts nichts nichts nichts nichts nichts nichts
nichts nichts nichts nichts nichts nichts nichts nichts nichts
nichts nichts arbeit sherry regen gibt es wiederholungen oder
gibt es sie nicht?
22.48-22.50

19. Juli 2000

Ras, Süße, zur Post, ras zum Biobäcker, ras in den Sport, ras im Sport mit 155 Widerstand am Ende auf dem Rad, loveparadisierte nennt uns eine Zeitung heute, fehlt nur ein 'e' in diesem Wort, loveparadiesierte - aber es fehlt. Der kleine alte Mann von gegenüber am Eingang zu Kaiser's, wie er so an einem Tischchen lehnte und herübernickte so freundlich beflissen und ein bißchen schmutzig war und zum Erbarmen und eine Rabatte Tomaten Gertrude Stein The First Reader ein paar Seiten probeübersetzt ob ich das machen will, für Ritter. Neben der Sonne, ihren Flecken im Zimmer, den knisternden Insekten in der Lampe (und morgen fliegen sie wieder hinein) die Frage: was "gute" Literatur ist, was nicht, und vor allem warum?
23.58-00.02

20. Juli 2000

Neunzehnuhr zwanzig pampig und ranzig das kommt von Stein und überall Reim ich denke in Schlaufen komm ich ins Schnaufen schrieb schnell ne mail einmal muß auch etwas anderes sein, geht nicht schlecht, im Gefecht, sonnenerpicht rundum den Berg gelaufen, an der Hauswand etwas wie Efeu in Kraken, das paßt, und Fahrstuhl fahren, mit zu langen Haaren, ein Zopf oder Gertrudenkropf, was über Gene lesen und übers menschliche Wesen, Kaspar Hausers Unterhose als Gedichtbandtitel erwogen aber zu angezogen, in der Sonne am Wasserturm Brainstorm Assoziationsnorm, so geht es mit dem Hellen, man kommt nicht aus den Fellen, morgens nicht raus und abends nicht rein, was könnte das mit der Stein nur sein Panik Attacke Herz mit Schmacke Olivenbrot kauen Pfeffer verdauen Knoblauch knacken, aufräumen und schauen, rutsch macht der Tag,
auch wenn man ihn mag.
22.20-22.25