dieser Bottich, ach, das IchRegie: Renate Pitroff, Bayerischer Rundfunk 1998 Sie sind weiblich und in einen Schädel geraten, den sie für ein Kino halten. Sie streiten um Popcorn, nennen sich Erleberin und Erklärerin und hören einer Kinderstimme zu. Die erzählt von den bunten 70er Jahre Stiften, Biologie- und Physikunterricht, Friseurbesuchen, Wundertütenleerungen in den 60ern, und dem Versuch, ein gelbes Schloß zu malen: so stellten sie sich die Zukunft vor. Natürlich kommen Prinzen nicht mehr vor, doch immerhin, sagen sich Erleberin und Erklärerin, lebt man in der nach-89-Vereinigungszeit. Man kann also etwas erwarten von der Wirklichkeit. Schon erscheint der Eisverkäufer Parzival. Er und die Erleberin phantasieren Sex. Vereinigung und Vereinsamung als die zwei Seiten einer Couch gefallen allen und niemandem. Er kommt wahrscheinlich aus dem Osten, sie aus dem Westen. Geschlechtsumwandlung, Singles, Körpermanipulation, Einzelheit, Kollektivität. Die Kleine hört zu, damit sie lernt, wie man sich liebt. Die Frauen "enttarnen" Parzival, setzen sich auf ihn. Während sie weiter auf den Film warten, der die Welt erklärt,reden sie über Trümmerzwang, Volkswagenrausch und Hundesex, über Zeit, Körper und Generation: "ein ganz lächerliches Wort". Der Versuch, die Bedeutung von rot anhand einer Spaghetti zu klären, scheitert kläglich. Erleberin und Erklärerin bekennen sich zu Freßneid und dem Wunsch, nichts mit anderen zu teilen. Sie preisen ihre Umgebung: künstliche Organe, in die Hüften integrierte Sprachhebel, Comics, Bilder der Natur statt Natur. Und schreien zugleich nach etwas "Echtem". Als Antwort fährt ein knallgelber, vollelektronischer history train vor, gesteuert von Parzival. Begeistert steigen alle ein, diskutieren Zahnweh, fahren weiter im Schädel herum, trösten sich mit einem Mars. Der Zirkus, die Geschichte, beginnt von vorn. |